Natur vs. Synthetik

Ein Irrglaube

In der Werbung wird gerne auf die biologische Abbaubarkeit bzw. Kompostierbarkeit von Naturlatex hingewiesen, dass allerdings nur richtig ist, wenn der Naturkautschuk nicht vulkanisiert wurde. Damit jedoch der Naturkautschuk die gewünschten elastischen Eigenschaften aufzeigt, die viele technischen Anwendungen erst ermöglichen, ist ein Vulkanisationsprozeß zwingend erforderlich. Während des Vulkanisationprozesses von Naturkautschuk werden synthetische Vulkanisationshilfsstoffe sowie ggf. Alterungsschutzmittel zugegeben. Infolge dieser Beimischungen ist der modifizierte Naturkautschuk kein reines Naturprodukt mehr und die biologische Abbaubarkeit stark in Frage gestellt.

Vergleich

Vorteile von Synthetischem-Latex gegenüber vulkanisiertem Naturkautschuk:

  • Keine Monokulturen zu Lasten der Umwelt, insbesondere der Regenwälder
  • Keine langen Transportwege und dadurch keine zusätzlichen CO2 Emissionen

  • Keine Ausbeutung durch schlechte Arbeitsbedingungen auf den Plantagen
  • Keine Latex-Allergien, hervorgerufen durch ein Protein des Naturkautschuk
  • Keine Qualitätsschwankungen durch ein in-homogeneres Naturprodukt
  • Keine Zugabe von Konservierungstoffen, wie z.B. Ammoniak

Fazit

So unlogisch es auch zuerst klingen mag, aber die Verwendung von synthetischem SBR-Latex gegenüber vulkanisiertem Naturkautschuk ist in seiner Gesamtbilanz betrachtet ein deutlich positiveres Signal in Sachen Nachhaltigkeit.

 Latex Historie

Von der ersten Nutzung des Naturkauschuk bis zur Entdeckung des synthetischen Latex

 

Der Ursprung des Latex geht zurück auf den Milchsaft des Kautschukbaumes. Der daraus gewonnene Naturkautschuk wurde in Mittelamerika bereits 1600 v. Chr. in vielfacher Weise verwendet. Nach der Entdeckung Amerikas durch die Europäer, wurde der Rohstoff nach und nach für die Entwicklung neuer Produkte eingesetzt. 1770 entstand der Radiergummi, 1824 der erste Regenmantel, danach folgten die Gummistiefel. 

 

Bild: Kautschukgewinnung

 

 

 

1839 erfand Charles Goodyear das Verfahren der Vulkanisation, durch das der plastische Kautschuk in elastisches Gummi umgewandelt werden kann. Dies bot viele neue Anwendungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die Produktion von Autoreifen, die einen regelrechten Kautschukboom in Brasilien auslösten.



Bild: Charles Goodyear, in Scientific American

Supplement NO. 787, 31. Januar 1891

Nachdem Kautschuk in Form von Gummi zu einem industriell wichtigen Werkstoff geworden war, gab es Versuche, Kautschukbäume in Plantagen zu züchten. In Südamerika gelang dies nicht, da ein spezieller Pilz dies verhinderte. Die Engländer konnten in ihren Kolonien in Asien aber Plantagen aufbauen. Durch die zusätzlichen Plantagen außerhalb Brasiliens konnte der Kautschukbedarf besser gedeckt werden, so dass der Preis fiel und der Kautschukboom in Amazonien zu Ende ging. Die fünf wichtigsten Produzentenstaaten von Naturkautschuk sind heute Thailand, Indonesien, Malaysia, Indien und China. (Quelle: Wikipedia 03/12)

Karte: Kautschukerzeugung



Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs verlor das Deutsche Reich den Zugang zu seinen Kautschuk-Quellen, wodurch die Suche nach Alternativen gefördert wurde. Noch in der Zeit des Ersten Weltkriegs gelang es den ersten synthetischen Latex zu erzeugen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde das Produktionsverfahren stetig verbessert. Man konnte dabei die positiven Eigenschaften aus der Natur übernehmen und die negativen Eigenschaften die der Naturkautschuk mit sich brachte, eliminieren. So kam es dazu, dass der synthetische Latex mittlerweile in vielen Anwendungen den Einsatz des Naturkautschuk komplett verdrängt hat.

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